Work & Travel: Leben unter Kiwis

Max ist frische 20 Jahre jung und hat sich im September 2014 alleine auf den weiten Weg nach Neuseeland gemacht. Auf der Nordinsel startete er seine Abenteuer-Zeit und ist nun in Nelson auf der Südinsel angekommen. Dort arbeitet er zurzeit als Apple Picker und plant schon seine nächsten Schritte – auf Neuseeland und in seinem Leben.

Hallo Max! Es freut mich, dass du ein wenig von deinen Abenteuern und Erfahrungen erzählen möchtest. Du bist inzwischen sieben Monate auf Neuseeland und hast schon sehr intensiv am „echten“ neuseeländischen Leben teilnehmen können. Wie lebt es sich unter Kiwis?

Gerne doch! Trotz der großen Distanz zu Deutschland kann ich sagen, dass man sich hier wie zu Hause fühlen kann. Neuseeland ist für Backpacker das Traumziel schlechthin, da es auf Touristen/Backpacker eingestellt ist, d.h. man findet immer Ansprechpartner, falls Probleme auftauchen, die Menschen sind freundlich und immer hilfsbereit, sodass man sich keine Sorgen machen muss. Ich habe bis jetzt nur positive Erfahrungen im Zusammenleben mit Kiwis (man ist ja immer froh, welche zu treffen und nicht nur Touristen zu sehen). Da ich schon bei vielen Familien auf Farmen gelebt habe, kann ich sagen, dass man sofort in das Familienleben integriert wird und die Menschen sehr an einem Austausch mit uns Backpackern interessiert sind. Man merkt einfach, dass das Temperament dieser Menschen sehr viel anders, nämlich offener und lockerer, ist, als dies bei uns größtenteils der Fall ist. Diese liebevolle, lockere und entspannte Atmosphäre macht es möglich, dass ich so gut wie nie Heimweh hatte.

 

Was hat dich bewegt, gerade nach Neuseeland zu reisen?

Ich hatte schon lange geplant, nach dem Abitur etwas Spannendes zu machen, also ein soziales Jahr oder einen Auslandsaufenthalt. Da ich mein Englisch unbedingt verbessern wollte und von vielen Leuten bereits über das Thema Work ‘n Travel bereits gehört hatte, habe ich mich näher damit beschäftigt und beschlossen, genau das zu machen. Neuseeland hatte seinen Reiz dadurch, dass ich so gut wie nichts über das Land wusste und es am weitesten weg war. Ein Bekannter von mir war bereits in Neuseeland und hat immer über die wunderschöne Landschaft geschwärmt. Damit war die Abenteuerlust in mir geweckt und ich habe begonnen, alles, was von Nöten war, vorzubereiten.

 

Gemeinsames Musizieren mit anderen Backpackern (Frankreich, Schweden)

Gemeinsames Musizieren mit anderen Backpackern (Frankreich, Schweden)

Du hast die Reise ganz alleine angetreten. Wie hast du dich vorbereitet? Hast du im Vorfeld alles minutiös geplant oder das ganze mehr auf dich zukommen lassen? Und wie hast du deine Eltern überredet, den weiten Weg alleine antreten zu dürfen?

Man ist ja nicht der erste, der so etwas machen möchte. Durch das große Interesse und der Menge an Backpackern, die sich jedes Jahr auf den Weg ans andere Ende der Welt machen wollen, gibt es unzählige Seiten im Internet, auf denen man sich informieren kann. Es gibt auch Agenturen, die alles für einen organisieren und man selbst muss sich um nichts kümmern. Allerdings muss man hier sehr genau auf das Preis-Leistungs-Verhältnis schauen. Oftmals bezahlt man einen hohen Preis für Dinge, die man im Endeffekt gar nicht braucht. Ich habe schon von vielen Backpackern gehört, dass sie es bereuen, eine Agentur gebucht zu haben. Mir gefiel das nicht, denn ich wollte alles allein organisieren. Wenn man wirklich ein Jahr selbstständig durch Neuseeland reisen möchte und Lust auf Abenteuer hat, sollte man auch die Organisation allein bewältigen können. Im Zeitalter des Internets ist das Buchen von Flügen, Abschließen einer Versicherung, Beantragung des [→ Visums ein Klacks und es gibt viele nette Backpacker, die ihre Erfahrungen im Internet teilen und gute Tipps geben, was man zu beachten hat, bevor man sich auf die große Reise begibt.

Den Flug sollte man natürlich früh buchen, aber im Großen und Ganzen habe ich dann alles auf mich zukommen lassen. Es macht auch mehr Spaß, spontan zu reisen und nicht vorher die Reiseroute festzulegen. Das ist auch gar nicht möglich, denn man weiß nie, wie sich dann alles entwickeln wird, wenn man erst mal hier ist.

Meine Eltern waren am Anfang nicht gerade sehr begeistert und natürlich viel zu besorgt um mich, aber nachdem ich ihnen alles erklärt habe und ihnen v.a. klar gemacht habe, dass ich nicht der Einzige bin, der so etwas macht, haben sie mich am Ende dann doch allein reisen lassen 😉 Ich finde, dass ist auch ein wichtiger Schritt zum Erwachsenwerden, sein eigenes Ding durchzuziehen und sich auf ein Jahr weit weg von zu Hause einzulassen, das müssen die Eltern dann einfach akzeptieren und man sollte sich nicht von ihrer Meinung zu sehr beeinflussen lassen.

 

Meine erste wwoofing-Farm

Meine erste wwoofing-Farm

Du hattest mir anfangs geschrieben, dass du häufig wwofen warst. Was ist das genau und wie funktioniert das?

Wwoofen [→ willing workers on organic farms ist die beste Möglichkeit für mich, das Landleben so richtig kennenzulernen. Man lebt auf Farmen mit den Familien und ggf. anderen Backpackern zusammen und erledigt kleinere Arbeiten, wie z.B. Unkraut jäten, Tiere füttern, Holz hacken etc. Für diese Arbeit erhält man im Gegenzug kostenlos Kost und Logis, was natürlich enorm Kosten einspart. Ich liebe diese Art von Unterkunft, denn es gibt mir die Möglichkeit, mit Kiwis den ganzen Tag zu verbringen und Neuseeland nicht nur von der touristischen Seite kennenzulernen. Parallel dazu lernt man natürlich viele nützliche Dinge, wie das Pflanzen von Bäumen, das Bauen einer kleinen Hütte, das Pflegen und Füttern von Tieren und viele neue englische Wörter 😉 Die Farmer sind sehr nett, manche sind auch etwas rauer im Umgang und stehen dem modernen Stadtmenschen kritisch gegenüber. Sie halten sich an organische Lebensmittel, eigens produziert und leben eng mit der Natur zusammen. Man beginnt, alltägliche Dinge unserer Konsumwelt in Frage zu stellen und beginnt, das Landleben mehr zu schätzen.

 

Wie erreichst du deine Ziele? Der Öffentliche Nahverkehr ist ja bei weitem nicht so gut ausgebaut wie bei uns, trampst du?

Es gibt viele Busse, die die wichtigsten Orte anfahren; diese sind vor allem für Touristen ausgelegt. Diese kann man bequem online oder bei der Information buchen und man kann sein schweres Gepäck ganz leicht verstauen. Ich habe mir für die Nordinsel einen [→ Flexi-Pass besorgt, mit denen man 20 Stunden lang fahren kann. Getrampt bin ich auch schon, das ist relativ einfach und es gibt immer nette Kiwis, die die armen Backpacker am Straßenrand aufsammeln 🙂 Durch mein häufiges wwoofen bin ich auch schon sehr oft mit den Farmerfamilien im Auto mitgenommen worden, und habe somit viele Orte gesehen, die andere Touristen vlt. links liegen lassen würden.

 

Nette Bekanntschaft auf einer wwoofing-Farm

Nette Bekanntschaft auf einer wwoofing-Farm

Was meinst du, wo findet man als Work &Traveller am schnellsten Kontakte? Gibt es da bestimmte Tipps?

Wenn man in Auckland mit dem Flugzeug angekommen ist, wird man schnell merken, dass man hier nicht der einzige ist, der ein großes Abenteuer in NZ erleben möchte. Es wimmelt geradezu von (größtenteils deutschen) Backpackern. Somit findet man in jedem Hostel schnell Anschluss und nette Reisepartner. Wenn man eine Agentur bucht, reist man in einer Gruppe mit anderen Backpackern und es findet ein großes Treffen am Anfang statt, in denen man schnell Kontakte knüpfen kann und dann auch evtl. gemeinsam weiterreist. Man muss sich auf alle Fälle nicht allein durchschlagen, es sei denn, man will es.

 

Jetzt bis du Apple Picker. Als was hast du schon gearbeitet? Wie sind die Arbeitszeiten

Neuseelandändische Äpfel

Fleißig bei der Apfelernte

überhaupt auf NZ? Welche Empfehlungen kannst du uns für die Suche des „richtigen“ Arbeitgebers geben?

Neben dem wwoofing habe ich hauptsächlich auf Plantagen gearbeitet. Diese „seasonal jobs“ [→ Seasonal Jobs haben den Vorteil, dass man nicht vier oder fünf Monate lang einen festen Job hat, und dadurch nicht weiterreisen kann, sondern man arbeitet sieben bis acht Wochen auf einer Plantage und setzt dann seine Reise fort. Plantagenarbeiter werden hier nachgefragt, da die Landwirtschaft eine sehr große Rolle in Neuseeland spielt. Diese sogenannten „contracting jobs“ (d.h. man wird nach erbrachter Arbeitsleistung bezahlt) sind bei Backpackern beliebt, deswegen trifft man auf den Plantagen so gut wie keine Kiwis, sondern zum größten Teil junge Leute aus Europa, deren Arbeit sehr geschätzt wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in den Städten eher schwierig ist, an Jobs zu kommen, und wollte persönlich auch nicht ein halbes Jahr einen festen Job an einem festen Ort haben. Auf den Plantagen arbeitet man meistens sechs Tage die Woche und die Arbeitszeiten sind sehr verschieden, zurzeit arbeite ich 9 bis 10 Stunden pro Tag. Es ist sehr schwer, den „richtigen“ Arbeitgeber zu finden. Man sollte sich immer in Kontakt mit anderen Backpackern befinden, um Erfahrungen auszutauschen, viele Hostels helfen bei der Jobsuche, trotzdem sollte man natürlich in der Lage sein, sich selbst nach Jobs umzusehen (entsprechende Websites, Aushänge im Supermarkt oder in den Hostels, Arbeitsagenturen, oder einfach direkt vor Ort nachfragen).

 

Hast du denn, trotz der Arbeit, genügend Zeit dir die Insel anzuschauen?

Auf alle Fälle, da ich ja meistens nur acht Wochen insgesamt arbeite. Da bleibt genug Zeit zum Reisen.

 

Aussicht auf Wellington von Mt. Victoria

Aussicht auf Wellington von Mt. Victoria aus – einer meiner Lieblingsplätze auf Neuseeland

Was waren denn deine ganz besonderen Highlights auf der Nordinsel? Welche Route hast du gewählt?

Das ist immer schwer zu sagen, was das Beste war. Neuseeland ist voll von tollen Orten und interessanten Touren. Mir hat es am Cape Reinga sehr gut gefallen, auch das „sandsurfen“ auf den Dünen am Ninety Mile Beach war ein Erlebnis. Meine schönste Wandertour hatte ich im Tongario Nationalpark [→Tongario Alpine Crossing, eine sehr empfehlenswerte Tour, wenn das Wetter mitspielt, die man einen oder über mehrere Tage machen kann, aber gutes Schuhwerk und warme Kleidung einpacken, das Wetter ändert sich sehr schnell in den Bergen und natürlich ist eine gute Kondition erforderlich, aber dafür wird man mit einer atemberaubend schönen Aussicht belohnt.

Ich habe auf der Nordinsel so gut wie jede Region bereist, vom nördlichsten Punkt am [→Cape Reinga, bis Wellington, die Coromandel-Halbinsel, Ost- sowie Westküste und natürlich [→Lake Taupo in der Mitte der Insel. Es gibt vieles zu entdecken.

 

Und wie geht es weiter auf Südinsel. Was möchtest du dir noch anschauen?

Ich werde eine ausgedehnte Wanderung im Abel-Tasman-Nationalpark machen und danach die Westküste bis nach Queenstown herunterfahren. Ein ganz besonderes Highlight wartet noch auf mich: ein Fallschirmsprung am Franz-Josef-Gletscher. Im Süden warten die neuseeländischen Alpen und die Fjorde, daneben natürlich immer die schöne, unberührte Natur Neuseelands und schöne Seen.

 

Die schöne unberührte Natur von Neuseeland

Die schöne unberührte Natur von Neuseeland

Für alle, die jetzt mit dem Gedanken spielen ein freies Jahr auf Neuseeland verbringen zu wollen, was würdest du ihnen noch mit auf den Weg geben.

Ich würde alle ermutigen, die diesen Schritt gehen wollen. Dieses Land bietet einfach so viel und man muss keine Angst haben, allein zu sein, wenn man Hilfe braucht, gibt es genügend Menschen, die sich um einen kümmern und man findet schnell Anschluss an andere Reisende. Da das Land relativ klein und übersichtlich ist, kann man sehr bequem reisen und die interessantesten Gegenden besichtigen. Man sollte sich natürlich im Voraus genau informieren, was man braucht und evtl. andere Leute fragen, die bereits in Neuseeland sind oder waren, das ist meiner Meinung nach die beste Informationsquelle. Wenn der Organisationskram erledigt ist, heißt es ab ins Abenteuer nach Aoteaora ins Land der Kiwis!

Vielen Dank Max für die wunderbaren Einblicke in deine Work&Travel Zeit auf Neuseeland. Genieße weiterhin die grüne Natur der Südinsel.

Tongario Alpine Crossing

Tongario Alpine Crossing

 

Bildnachweise: Die im Interview verwendeten Fotos sind Eigentum von Max. Diese wurden uns für das Interview freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

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