Spitzenklasse! Warum neuseeländischer Wein so erfolgreich ist. Das Interview!

Denkt man an Neuseeland, so ziehen vor dem geistigen Auge grüne Hügel, Schafe und natürlich das Auenland an einem vorüber. Weinberge gehören sicherlich nicht zu den ersten Bildern. Dabei ist Neuseeland ein großes Weinland.

Die Anfänge gehen auf das frühe 19. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1819 wurden in Kerikeri 100 Weinstöcke gepflanzt. Nach einer „Durststrecke“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Stichwort Abstinenz) wurde das Servieren von Wein erst 1960 wieder erlaubt. Der öffentliche Verkauf im Supermarkt ist erst ab 1990 gestattet worden.

Und im Supermarkt nimmt Wein heute einen gewichtigen Stellenwert ein – Regalmeter neben Regalmeter. Die unglaubliche Weinvielfalt überrascht jeden Neuankömmling. Leider produzieren die meisten Weingüter nur für den eigenen vor Ort Verkauf oder für den inländischen Genuss. Der kleinste Anteil der Produktion geht in den weltweiten Export.

Auf der Suche nach einem speziellen Wein, den wir 2011 auf unserem ersten Air New Zealand Flug getrunken haben, sind wir auf die beiden deutschen Weinprofis von der Neuseeland Weinboutique gestoßen. So ein Internet Fund weckt natürlich direkt großes Interesse.

Hallo Petra und Hilmar! Es freut uns, dass ihr euch spontan zu einem Interview bereit erklärt habt.

Das machen wir sehr gerne.

Bevor ich starte, muss ich es einfach wissen. Habt ihr in eurem reichhaltigen Fundus von Weinen auch einen Chardonnay des Weinguts Riverby Estate? Auf unserem Flug nach Neuseeland haben wir uns wie Bacchus an diesem 2008er Wein gelabt…

Wir haben zwar eine ganze Reihe toller Chardonnays im Angebot, aber leider nicht den Riverby Chardonnay. Aber probiere mal den Chardonnay von Palliser Estate, der wird Dir sicher auch sehr gut schmecken.

Ihr betreibt einen Online Handel ausschließlich für neuseeländische Weine. War das ein Wunschtraum von euch oder ist diese Idee erst mit einer Reise nach „Aotearoa“ aufgekommen?

Wir haben zwei Jahre lang in Neuseeland gelebt und konnten uns intensiv mit neuseeländischen Weinen beschäftigen. Die Idee für den Webshop entstand allerdings schon in Deutschland als wir bemerkten, dass es nur ein sehr eingeschränktes Angebot an Weinen aus Neuseeland gibt. Hier und dort findet man einen Sauvignon Blanc, mit etwas Glück auch mal einen Pinot Noir. Das war es dann meist aber auch schon.

In Neuseeland angekommen haben wir dann eine Vielzahl an tollen Weinen entdeckt, die oft gar nicht das Land verlassen. Unsere Idee war und ist es, diese Vielfalt nach Deutschland zu bringen, so dass man nicht erst diesen elend langen Flug ertragen muss, um die Weine trinken zu können. Vor Neuseeland aus haben wir dann den Webshop Neuseeland Weinboutique gegründet und die Logistik nach Deutschland organisiert.

Es gibt so viele kleine und größere Weingüter auf beiden Inseln. Nach welchen Kriterien wählt ihr die Weine aus?

Es stimmt, dass man bei dem Angebot leicht den Überblick verlieren kann. Wir sind deshalb sehr strukturiert vorgegangen und haben uns nur auf die Weingüter konzentriert, die sowohl bei dem weltweit führenden Weinkritiker Robert Parker wie auch bei dem bekannten neuseeländischen Weinkritiker Michael Cooper sehr gut bewertet wurden. Von diesen Weingütern haben wir uns die ausgesucht, die in Deutschland noch nicht vertreten waren und haben sie besucht. Die Weine, die uns persönlich dann am meisten überzeugt haben, findet ihr jetzt in unserem Webshop.

Weinreben in und um Blenheim auf Neuseeland

Weinreben wohin das Auge schaut – in Blenheim auf der Südinsel von Neuseeland

 

Was macht den neuseeländischen Wein so besonders? Klima, Boden, die Methoden des Winzers / der Winzerin?

In Neuseeland herrschen ausgezeichnete Bedingungen, um Wein anzubauen. Viele Sonnenstunden und eine intensive Sonneneinstrahlung sorgen dafür, dass die Trauben langsam aber garantiert reif werden. Zusätzlich sorgt die abendliche Meerbrise, die in den meisten Weinregionen eintritt, dafür, dass die Aromen in den Trauben erhalten werden können. Natürlich spielen auch die Böden eine Rolle, die aufgrund des vergleichbar geringen Alters Neuseelands sehr unterschiedlich sein können.

Die Winzer sind einerseits weniger den Traditionen verhaftet als in Europa. So sind sie oftmals sehr experimentierfreudig. Anderseits sind aber auch einige sehr gute Winzer aus Europa nach Neuseeland gegangen, weil sie dort ideale Bedingungen für den Weinbau finden. Zwei Beispiele sind der Schweizer Hans Herzog, dessen Familie schon seit über 400 Jahren Wein anbaut und der Österreicher Rudi Bauer, der mit seiner Marke Quartz Reef eine der besten Schaumweine Neuseelands produziert. Allen gemein ist, dass der Umweltschutz sehr stark im Fokus ist und fast alle Weine nachhaltig angebaut werden. Zusätzlich nutzen immer mehr Weingüter biologische oder biodynamische Anbaumethoden. Sie haben es aufgrund des Klimas auch etwas einfacher als ihre Kollegen in Deutschland, da sie sehr wenig Schädlingsbefall haben.

Eine Frage an Petra: Apropos Winzerin – ist der Weinanbau in Neuseeland eine Männerdomäne? Wie behaupten sich neuseeländische Winzerinnen?

Sehr gut. In Neuseeland gibt es sehr viele Familienunternehmen, in denen Frauen eine bedeutende Rolle spielen. Und sie sind auch als Winzerinnen erfolgreich. Eines der laut Robert Parker fünf besten Weingüter Neuseelands, Ata Rangi, hat eine Frau als Winzerin. Und auch die Winzerinnen von Julicher Estate und Waimea Estate, mit denen wir ebenfalls zusammen arbeiten, sind äußerst erfolgreich bei ihrer Arbeit. Julicher Estate gewann erst kürzlich die Auszeichnung für den besten Pinot Noir bei den Sommelier Wine Awards 2014 in England.

Wie haltet ihr Kontakt nach Neuseeland? Fliegt ihr in jeder Weinsaison einmal hin und macht eine Verkostung vor Ort?

Wir sind erst seit März wieder zurück in Deutschland und halten sehr regen Kontakt mit den Weingütern per Email und Skype. Oder die Weingüter besuchen uns hier in Deutschland. Während unserer zwei Jahre in Neuseeland haben wir zudem natürlich sehr viele Kontakte aufgebaut, die wir jetzt nutzen. Zudem bekommen wir immer mehr Anfragen von neuen Weingütern, die uns die Weine dann zur Verkostung schicken. Wir werden aber mit Sicherheit im nächsten Jahr wieder nach Neuseeland reisen, um vor Ort weitere Weine zu entdecken.

Ist der Wein aus Neuseeland „IN“, so wie es vor ein paar Jahren mit den Weinen aus Südafrika oder Kalifornien war, oder ist er immer noch ein Geheimtipp?

Green Lipped Mussels dazu ein Chardonnay

Green Lipped Mussels dazu ein Chardonnay – der Himmel auf Erden

Bei Experten ist er sehr gut angesehen. Doch bei den meisten Weinliebhabern ist er immer noch ein Geheimtipp. Hier gibt es innerhalb Europas aber auch große Unterschiede. In England beispielsweise ist die Bekanntheit schon sehr viel größer als bei uns. Allerdings wächst der Import von neuseeländischem Wein nach Deutschland jetzt schon mehrere Jahre hintereinander zweistellig. Das ist ein sehr stabiler Trend, der sicherlich so schnell nicht abreißen wird.

Die Preise bei den Weinen aus Neuseeland bewegen sich deutlich über den Preisen deutscher Weine. Für Neugenießer: Welchen würdet ihr zum Start empfehlen?

Die Preise sind natürlich stark qualitätsabhängig. Für einen sehr guten Wein zahlt man in Deutschland ebenfalls einen vergleichbaren Preis. Die besten unserer Rotweine, z.B. aus Waiheke Island halten den Vergleich mit Spitzenweinen aus Bordeaux, die ein Vielfaches kosten. Dieses Thema ist also sehr relativ.

Als Einstieg empfehlen wir Sauvignon Blanc. Unser Spinyback Sauvignon Blanc ist z.B. einer unserer Bestseller genauso wie der große Bruder Waimea Sauvignon Blanc. Sauvignon Blanc hat den Wein aus Neuseeland in der Weinwelt bekannt gemacht und gilt heute als der Weltstandard, dessen Aromenvielfalt und Reinheit andere zu erreichen versuchen. Man sollte hier aber am besten nicht zu Discounterweinen greifen, da die Aromenvielfalt der Weine doch sehr eingeschränkt ist. Bei den Rotweinen empfehlen wir einen Pinot Noir zu probieren. Die Qualität der Weine hat uns von Anfang an begeistert. Es ist die wichtigste rote Traube Neuseelands und gewinnt weltweit immer mehr an Ansehen. Der Julicher 99 Rows Pinot Noir beispielsweise ist ein toller Einstieg.

Welches Weingut empfehlt ihr auf der Südinsel für einen Besuch vor Ort? Wir fragen natürlich nicht im eigenen Interesse 🙂

An Marlborough sollte man sicher nicht vorbeifahren ohne Wein verkostet zu haben. Das Weingut des Schweizers Hans Herzog ist hier ein Highlight. Hans ist ein absoluter Qualitätsfanatiker, der sein Weingut in der Schweiz zusammenpackte und mit seiner Frau Therese nach Marlborough zog. Hier erstellt er auf sehr kleiner Fläche mit ganz viel Handarbeit und Liebe fantastische Weine. Er baut ca. 26 verschiedene Rebsorten an, was sehr ungewöhnlich ist. In dem schönen Garten kann man nach der Verkostung etwas essen. Das Weingut ist auch für sein Gourmetrestaurant bekannt.

Weingut Rippon am Lake Wanaka

Lake Wanaka in Central Otago fotografiert vom Weingut Rippon aus


Am Lake Wanaka in Central Otago liegt das Weingut Rippon, das zu den meistfotografierten Weingütern der Welt gehört. Der Blick von Verkostungsraum auf den See ist wirklich unglaublich schön und der Wein zudem ausgezeichnet. Hier unbedingt den Pinot Noir und den Riesling probieren.

Gibt es auch eine Empfehlung für die Nordinsel?

Unser Tipp für alle Reisenden, die auf der Nordinsel in Auckland ankommen und erst einmal den Flug verarbeiten wollen, ist Waiheke Island. Die Insel ist in 40 Fährminuten von Auckland aus leicht erreichbar und hat eine ganze Reihe kleiner Weingüter, die exzellenten Wein herstellen. Unser Lieblingsweingut dort ist Man O‘ War.

Alle Pinot Noir Liebhaber sollten zudem in Martinborough vorbeischauen. Das kleine Weindorf liegt unweit von Wellington und ist eine der Hochburgen des Pinot Noir. Die kleinen Weingüter liegen direkt nebeneinander und lassen sich ganz bequem besuchen. Ata Rangi und Palliser Estate lohnen auf jeden Fall einen Besuch.

Liebe Petra, lieber Hilmar, besten Dank für den Einblick in die Welt der neuseeländischen Reben und Trauben. Auf das ihr uns viele köstliche Tropfen aus „Aotearoa“ importiert. Weiterhin viel Erfolg!

Für alle, die nun Lust auf ein edles Tröpfchen aus dem Paradies bekommen haben, hier geht es zum Neuseeland Wein von Petra und Hilmar.

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