Doubtful Sound – Stille im Fiordland

Während der Milford Sound geradezu von Touristen überschwemmt wird, geht es am Doubtful Sound deutlich ruhiger und entspannter zu. Hier könnt ihr Vögel statt Helikopter hören, Seelöwen statt Menschen beobachten und klare Luft statt Dieseldämpfe atmen. Doubtful Sound – Sound of Silence.

Geographie

Der Doubtful Sound ist Teil des Fiordland Nation Parks. Er erstreckt sich 40 km von Deep Cove bis zur „Mündung“ in die Tasman See. Er ist mit 426 Meter (zwischen Bauza Island und Mount Forbes) der Tiefste der 15 Fjorde im National Park.
Bei Regen stürzen wahre Wassermassen die steilen Hänge hinunter. Dieses kalte Süßwasser bildet eine zwei bis zehn Meter dicke Schicht über dem schwereren, aber auch wärmeren Salzwasser. Die mit dem Regen in den Sound gewaschenen Gerbstoffe lassen weniger Licht durch das Süßwasser. Somit können schon in geringer Tiefe Tiere und Pflanze im Salzwasser existieren, die man sonst nur in der dunklen Tiefsee antrifft, wie zum Beispiel Seesterne, Anemonen und Schwarze Korallen.

Sound oder Fjord?

Der Doubtful Sound befindet sich im Fiordland National Park – ein Widerspruch!?
Ein Sound ist ein Flusstal, das beim Absinken des Landes überflutet wurde (z.B. die Marlborough Sounds am anderen Ende der Südinsel). Ein Fjord hingegen ist ein in der Eiszeit entstandenes u-förmiges Tal mit steilen Klippen. Die Sounds im Fiordland sind mithin Fjorde, denn sie sind durch Gletscher in der Eiszeit entstanden.

Maritime Karte des Doubtful Sound

Maritime Karte des Doubtful Sound

 

Vom Doubtful Sound zweigen drei Seitenarme ab: First, Crooked und Hall Arm. Wer die Gelegenheit hat, sollte einen dieser Arme besuchen. Die steilen Felswände und die Stille sind unglaublich!

Browne Fall, Doubtful Sound

Die Browne Falls, die mit 619 Metern (Höhe der höchsten Kaskade) oder 836 Metern (Höhendifferenz zwischen dem Browne Lake und der Wassseroberfläche im Sound) wahrscheinlich höchste Wasserfall Neuseeland befindet sich zwischen dem First und dem Crooked Arm am südlichen Ufer.
Die Helena Falls sind vom Anleger in Deep Cove auf der anderen Hangseite gut zu sehen.

Historie

James Cook entdeckte den Doubtful Sound im Jahre 1770. Aufgrund der steilen Bergwände und den damit unbeständigen Winde, zweifelte er, ob man überhaupt wieder aus dem Sound hinaus segeln könnte. Er versuchte es nicht. Somit hat erst eine spanische Expedition im Jahr 1793 unter [→ Alessandro Malaspina den Sound kartographiert. Einige Landmarken erhielten daher spanisch klingende Namen wie Febrero Point, Pendulo Reach oder Malaspina Reach.

Modell der Manapouri Power Station

Modell der Manapouri Power Station

In den 60ziger Jahren des letzten Jahrhunderts baute man eine 20 km lange Straße vom Ende des Sounds bei Deep Cove über den Wilmot Pass zum Lake Manapouri. Man benötigte die Straße um schweres Gerät für den Bau der Manapouri Power Station über den Seeweg heranschaffen zu können. Das Kraftwerk ist in einer unterirdischen Kaverne 200 Meter unter der Wasseroberfläche von Lake Manapori untergebracht.  Es nutzt den Höhenunterschied von 230 Metern zwischen Lake Manapouri und Deep Cove. Der dort gewonnene Strom wird hauptsächlich für das Aluminiumwerk bei Tiwai Point benötigt. Interessantes rund um die unterirdische Stromerzeugung und deren Geschichte erzählt der jetzige Betreiber [→ Meridian Energy.

Die Straße wird heute hauptsächlich für den Transfer der Touristen/Besucher zum Doubtful Sound genutzt.

Anreise und Aktivitäten

Die Anreise startet in Manapouri am gleichnamigen See mit einer ca. einstündigen Schiffstour über den See zur Anlegestelle im Westarm des Sees, dort geht es nochmal eine Stunde mit einem Bus über den Wilmot Pass nach Deep Cove.
Die Anreise ist damit recht umständlich und man benötigt einen Anbieter, der alles organisiert – im Gegensatz zum Milford Sound, den man über eine gut ausgebaute Straße selbst erreichen kann.

Wir haben uns den Luxus gegönnt und eine „Übernacht“-Schiffstour gebucht. Am Bootsanleger „Pearl Harbour“ in Manapouri erwartete uns der erste Schiffstransport mit Real Journeys. Die Abfahrt war um 12 Uhr, so dass wir genügend Zeit hatten, vom Campingplatz in Te Anau nach Manapouri zu fahren.

Manapouri und Doubtful Sound Visitor Centre

Tipp: Am Bootsanleger selbst gibt es nur Tagesparkplätze. Fährt man die Straße weiter durch, so gelangt man auf einen großen Schotterparkplatz. Das Angebot eines freundlichen Kiwis, den Camper auf einem „bewachten“ Parkplatz abzustellen, haben wir nicht genutzt. Die Bewachung schien nur aus einer in den Nacht abgeschlossenen Schranke zu bestehen.

Blick vom Wilmot Pass in den Doubtful Sound

Blick vom Wilmot Pass in den Doubtful Sound

Leider oder glücklicher Weise war das Wetter extrem regnerisch. Der Lake Manapouri zeigte sich grau in grau. Das Regenwasser bildete an den Hängen der Berge beeindruckende Wasserfälle.
An der Anlegestelle im Westarm von Lake Manapouri wartete auf uns der Bus und gefühlt eine Millionen Sandflies hießen uns willkommen. Die Fahrt über die Schotterstraße zum Wilmot Pass wurde routiniert und sehr rasch gemeistert. In Deep Cove durften wir dann auf dem Fiordland Explorer unsere Zwei-Bett-Kabine mit Dusche/WC beziehen.

Auch nach dem Ablegen regnete es weiter in Strömen – und die beeindruckende Kulisse schmückte sich mit Hunderten von Wasserfällen, Windhosen und waagerecht wehenden Regentropfen – ein tolles Schauspiel.

Die Fahrt ging hinaus zu den Seelöwen, die auf den Felsen am Eingang zum Doubtful Sound lagen. Es schaukelte ganz schön, als die Wellen der Tasman See in den Sound schwappten. Den Seelöwen schien das schlechte Wetter nichts auszumachen, denn sie tummelten sich um, an und auf den Felsen.

Bald machte sich der Fiordland Explorer wieder in Richtung Sound-Inneres und ruhigeres Wasser auf. Auf der Höhe des First Arms wurde geankert und man konnte zwischen Schwimmen (zu kalt), kajaken (zu bewegungsintensiv) und einer Fahrt mit dem Beiboot wählen – oder natürlich auch einfach an Bord bleiben und einen Kaffee trinken.
Wir sind mit dem Beiboot die Küste entlang gefahren und haben das eine und andere Interessante über Flora und Fauna erfahren – dabei sind wir aber sehr nass geworden.

Die Nacht über ankerte das Schiff im ruhigen First Arm. Am nächsten Morgen hatten wir großes Glück, denn nun riss der Himmel auf und wir erlebten den Doubtful Sound von seiner sonnigen Seite.

Beeindruckende Stille herrschte, als der Kapitän alle Maschinen des Schiffes ausstellen ließ und die Gäste bat, für fünf Minuten zu schweigen. Unglaublich, welche Geräusche und Vogelstimme man wahrnimmt, wenn die „mitgebrachten Geräuscherzeuger“ schweigen.

Gegen Mittag legten wir dann wieder in Deep Cove an, wo schon die nächsten Besucher warteten. Zurück ging es dann wieder mit Bus und Schiff nach Manapouri.

Schiffstouren, Tracks und Kajak

Wir kannten den Milford Sound bereits von einer Bootstour im Jahr 2011. Schon damals haben wir an der i-Site in Te Anau gestanden und wollten eine Tour zum Doubtful Sound buchen. Aus Zeitgründen haben wir dann darauf verzichtet – und das anschließend immer bereut. Somit war klar: Bei der nächsten Gelegenheit musste ein Ausflug zum Doubtful Sound auf dem Plan stehen. Wir haben uns bewusst für die „Übernacht“-Schiffstour entschieden. Zum einen entgeht man den Horden der Tagesausflügler, zum Anderen wollten wir es bei der Reise 2014/2015 ruhig angehen lassen.
„Übernacht“-Schifftstouren sind nicht die günstigste Art, den Sound kennen zu lernen, aber mit Sicherheit der geruhsamste Weg. Eine Übersicht der Anbieter findet ihr bei [→ Fiordland Destination

Neben dem Schiff ist das Kajak in einem Sound das natürliche Fortbewegungsmittel. Verschiedene Veranstalter bieten von Tagestouren bis zu mehrtägigen Exkursionen für jeden etwas. Eine Übersicht findet ihr bei [→ Fiordland Destination.

Den Doubtful Sound kann man nur eingeschränkt zu Fuß erkunden. Der [→ Dusky Track führt 84 km von Lake Hauroko bis zum Lake Manapouri und ist nur für erfahrene Wanderer geeignet. Der [→ Helena Falls Track bringt den Wanderer innerhalb von 2 Stunden von Deep Cove zu den gleichnamigen Wasserfällen und zurück.

Fazit

Der Doubtful Sound ist größer als der Milford Sound und ihn besuchen wegen der umständlichen Anreise weniger Besucher. Daher ist er der stillere der beiden Sounds. Wer die Ruhe und die Natur sucht, wird im Doubtful Sound eher fündig als in Milford.
Empfehlenswert ist auf jeden Fall eine Übernacht-Schiffsfahrt. Die Stille der Nacht und die langsam aufziehende Morgendämmerung sind unglaubliche Erfahrungen, die man als europäisches Stadtkind so noch nicht erlebt hat.

Der Doubtful Sound ist ein „Must-Seen“!

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