Eine neue Kathedrale für Christchurch

Während des verheerenden Erdbebens im Februar 2011 wurde die Kathedrale von Christchurch schwer beschädigt. Im Dezember des gleichen Jahres zerstörte dann ein weiteres Erbeben die wunderschöne Fensterrose über dem Haupteingang. Seitdem streitet man sich darüber, ob es einen Neubau geben oder ob die historische Kathedrale wiederaufgebaut werden soll.

Historisch

Die Kathedrale von Christchurch wurde nach den Plänen des britischen Architekten George Gilbert Scott erbaut. Scott war selbst nie in Neuseeland, sondern schickte Robert Speechly nach Christchurch, um den Bau zu überwachen.
Am 16. Dezember 1864 wurde der Grundstein gelegt. Wegen finanzieller Engpässe verzögerten sich die Bauarbeiten jedoch. Die ursprünglichen Pläne sahen eine Holzkonstruktion vor. Da jedoch zur gleichen Zeit der Eisenbahn-Tunnel zwischen Christchurch und Lyttelton gebohrt wurde, waren Steine gerade „günstig“ zu haben. Der neuseeländische Architekt Benjamin Mountfort veränderte 1873 die Baupläne und die Kathedrale bekam ihr bekanntes Aussehen.
1881 waren der Turm und die Kirchenschiffe fertiggestellt. Es sollte aber noch bis 1904 dauern, bis auch die Kreuzschiffe und der Chor fertiggestellt waren.

Diskussion

Nach den Erdbeben in 2011 entschied die anglikanische Kirche, die Kathedrale abzureißen. Die Arbeiten begannen im April 2012, wurden jedoch im November des gleichen Jahres durch den High Court untersagt.

Im April 2013 wurden dann drei Varianten für das weitere Vorgehen vorgestellt: Restauration, Wiederaufbau mit modernen Materialien oder ein kompletter Neubau. Die Kirche hatte sich für einen zeitgenössischen Neubau ausgesprochen, da auch die Kosten für eine Restauration die Zahlungen aus der Versicherung der alten Kathedrale bei Weitem übersteigen.

In einer Internetabstimmung sprachen sich dann auch 51% für einen modernen Neubau aus. Die Gegner gaben sich aber nicht zufrieden und bringen immer neue Argumente für die Restauration. Der Streit um die richtige Vorgehensweise hält an.

Aktuell

Heute nun scheint sich die anglikanische Kirche auch mit dem vom Star-Architekten Sir Miles Warren vorgeschlagen Wiederaufbau mit modernen Materialien als Kompromiss anfreunden zu können.

The whole of the facade, nave, side aisles and the superb narthex with all their Oamaru stone embelishments would be rebuilt to match exactly the original. The rose window would be remade. – Sir Miles Warren

Der Vorschlag orientiert sich an den gotischen Vorgaben der alten Kathedrale. Sir Miles Warren gestaltet den Innenraum entsprechend den ursprünglichen Entwürfen von Scott mit Holz. Weniger Säulen lassen den Raum allerdings weiter erscheinen. Auch soll der Boden durchgängig auf einer Ebene liegen.

Für die Gestaltung eines so zentralen Platzes in der größten Stadt der Südinsel ist eine ausführliche Diskussion sicher notwendig. Momentan erscheinen die beiden konträren Standpunkte nicht vereinbar. Für den Wiederaufbau der gesamten Stadt wäre eine Einigung sicherlich ein wichtiges Zeichen.

Das eine moderne Kirche auch ästhetischen Ansprüchen genügen kann, beschreiben wir in dem Beitrag [→ Pappe gegen Erdbeben.

Wie ist eure Meinung? Historischer Wiederaufbau oder doch eher eine neumodische Kathedrale?

Fotos von der alten und der nun zerstörten Kathedrale

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2 Comments on “Eine neue Kathedrale für Christchurch

  1. Selbstverständlich bin ich für eine Restauration dieser wunderschönen alten Kathedrale, allerdings unter Einbezug moderner erdbebensicherer Technologie.
    Um eine Kathedrale zu besichtigen, muss man nicht nach Christchurch reisen. Nur dass Flair der alten Kirche trägt zum Charme dieser Stadt wirklich bei. Dies ist übrigens auch ein finanzielles Argument für die Restauration (Tourismus).
    Viel Erfolg dabei!

    • Hallo Sabine, hallo Bernd,
      gerade an diesem zentralen Ort in Christchurch ist es wichtig, ein „Gesamtkunstwerk“ zu erhalten. Ich bin gespannt, wie man sich entscheidet.
      Liebe Grüße
      Georg

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